Kooperative Abenteuerspiele

 

Durch „Kooperative Abenteuerspiele“ sei nach Gilsdorf [u. a.] ein neuer Begriff in die „pädagogische Welt“ gelangt.[1]

Er stehe für ein Konzept, das zwei Ziele vordergründig verfolge: 

  • Kooperation: In der Gruppe gemeinsam handeln und unterstützen ohne zu konkurrieren.
  • Abenteuer: Spannung, Herausforderungen und die Erweiterung der eigenen Handlungsmöglichkeiten erleben.

Durch die Kombination von Spiel, Abenteuer und Kooperation bringt Gilsdorf die Art der Spiele mit drei Strömungen in Verbindung:

  • Spielpädagogik,
  • Gruppenpädagogik,
  • Abenteuer- und Erlebnispädagogik.

Spielepädagogik

Die Spielpädagogik vertrete die These, dass Spiele ein Medium seien, um emotionales und soziales Lernen anzuregen.

Sie habe dazu beigetragen, traditionelle Kinderspiele weiterzuentwickeln und gezielt für verschiedene Ziele einzusetzen.

Kooperative Spiele seien hervorzuheben, die ein Gegenpol zu den meist konkurrenzorientierten Spielen darstellten.

 

Gruppenpädagogik

Die Gruppenpädagogik untersuche und nutze Prozesse und Strukturen in Gruppen um ggf. Veränderungen und Entwicklungen zu fördern. Es seien eine Vielzahl von spielerischen Übungen entwickelt worden, die den Erkenntnisgewinn und Veränderungsprozesse anregten. Spiele solcher Kategorie forderten vom teilnehmenden Spieler nach Gilsdorf [u. a.]:

  • Engagement,
  • Reflexionsbereitschaft,
  • Frustrationstoleranz.

Lernen würde in dieser Art von Kontext durch die Aufbereitung von Erlebnissen bzw. Erfahrungen verstanden. So wurden u. a. eine Vielzahl von Reflexionsmethoden entwickelt, die vom Leiter einer solchen Arbeit gezielt und sicher eingesetzt werden müssen.

 

Abenteuer- und Erlebnispädagogik

Die Abenteuer- und Erlebnispädagogik sei ein recht junger und vieldiskutierter Zweig der Pädagogik. Dahinter stünde nach Gilsdorf [u. a.] ein Ansatz der auf ganzheitliches Lernen und eine Werteerziehung setze.

 

Die englischen Begriffe, die analog gebraucht werden, machten deutlich, wie verschieden dieser Zweig verstanden wird:

  • „outdoor education“,
  • „adventure education“ oder auch
  • „experiential education“.

Je nach Schwerpunkt werde mehr der Natursport, das Abenteuer, die Erfahrung oder das Erlebnis betont. Innerhalb der Erlebnispädagogik seien viele verschiedene Arten von Vertrauens-, Initiativ- und Problemlösespiele entwickelt worden. In den Spielen würden sowohl kognitive als auch sozial-emotionale Fähigkeiten und physische Fähigkeiten eingesetzt. Damit kommen die Faktoren Risiko und Wagnis „ins Spiel“. Es seien „ spielerische Inszenierung realer Abenteuersituationen“[2] Sie können als Vorbereitung realer Abenteuersituationen gesehen werden; genauso können sie auch für sich alleine stehen und Sinn und Ziel verfolgen.

 

An dieser Stelle geht Gilsdorf [u. a.] ebenfalls auf Abenteuerspiele und weitere Begrifflichkeiten ein. Um den vorgegeben Rahmen nicht zu sprengen, soll in Kürze eine Auswahl von möglichen Spielvarianten und deren Zweck erläutert werden.

  • Kennenlernspiele: In diversen Kontexten sind Gruppen zusammengewürfelt. Diese Art von Spielen fördere das erste Kennenlernen und auch das Zusammenstellen von Gruppen.
  • Warming-up-Spiele: Diese Art von Spielen helfe Teilnehmern einer Gruppe sich aufeinander einzustellen und miteinander in Kontakt zu kommen. Sie sind meist unkompliziert, ausgelassen und originell.
  • Wahrnehmungsspiele: Sie stellten einen ruhigen Gegenpol zu den Warming-up-Spielen dar. Der Schwerpunkt liege auf der Wahrnehmung, um mit sich selbst, den Mitspielern und der Umgebung in Kontakt zu kommen.
  • Vertrauensspiele: Sie helfen den Teilnehmern Risiko einzugehen und dennoch Sicherheit und Unterstützung zu fühlen und diese gleichzeitig anderen zu vermitteln.
  • Kooperationsspiele: Kooperationsfähigkeit soll im Gegensatz zum Konkurrenzdenken gefördert werden.
  • Abenteuerspiele: Darunter fielen sogenannte Initiativ- und Problemlösespiele, die relativ komplex seinen und eine gute Zusammenarbeit fordere. Darüber hinaus ist die Nutzung vorhandener Ressourcen wichtig.
  • Abenteueraktionen: Diese Aktionen bauten auf den Abenteuerspielen auf. Sie nutzten allerdings dafür reale Situationen und Räume, beispielsweise bei der Überquerung eines Bachs oder beim Zelten in der freien Natur.
  • Reflexionsübungen: Sie stellen eine Möglichkeit dar über das Erlebte nachzudenken und daraus hinaus einen weiteren Nutzen zu ziehen. Dabei kann es zum einen um die individuellen Erfahrungen und Gefühle gehen, zum anderen aber auch um die Gruppenprozesse.

 

[1] Vgl. Gilsdorf, Rüdiger; Kistner, Günter (2016): Kooperative Abenteuerspiele 1 – Eine Praxishilfe für Schule, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung, 23. Aufl., Seelze, S. 14.

[2] Ebd., S. 14.